Sonntag, 17.03. - Sonntag, 12.05.2024

Eva Krause – Fuchsschwanz und Perenboom

Herzliche Einladung zur Vernissage am 17. März 14 – 17 Uhr. Eva Krause ist anwesend.

Mit der 1970 in Düsseldorf geborenen Eva Krause wird das neue Ausstellungsjahr mit einer Malerin eröffnet, die bisher weithin als unentdeckt gilt und in der Galerie Mellies ihre erste Einzelausstellung in Deutschland zeigt.

Eva Krause hat in Krefeld Graphik Design mit dem Schwerpunkt Illustration studiert. 1998 ist sie an die Willem de Kooning Academie nach Rotterdam gewechselt und stellt seit mehr als 25 Jahren ihre Bilder vorwiegend im niederländischen Raum aus. 2001 gewann Eva Krause den 2. Bugatti-Verlat-Preis in Antwerpen, 2005 hat sie den Kunstpreis der Stadt Schwabach sowie 2012 den 3. Preis der Kunstolympiade CBK Rotterdam gewonnen. Über Holland hinaus ist sie bereits u.a. bei Ausstellungsbeteiligungen in Madrid, Bologna und Antwerpen in Erscheinung getreten.

In dem berühmten Dadaistischen Manifest beschreibt Richard Huelsenbeck 1918 das Leben als „simultanes Gewirr“, auf das die Kunst immer wieder Bezug zu nehmen habe. Die 1970 verstorbene US-amerikanische Künstlerin Eva Hesse pointiert diese Aussage, indem sie sagt: „I am interested in solving an unknown factor of art and an unknown factor of life“. Die Malerei Eva Krauses setzt genau an diesen Punkten an.

Wie Asymptoten laufen Natur und Gegenstände auf ihren Gemälden zusammen und vereinen sich in kryptischen fiktiven Formen zu unbekannten, miteinander versponnenen und wirren Gebilden. Auf ihren Bildern tauchen ganz neuartige, bitter sweete und an den Surrealismus erinnernde Formen auf, die ebenso gut einer Virtual Reality entsprungen sein könnten.

Ihre Settings erinnern zuweilen an die Lost Places des Fotografen Jonathan Jimenez und seine „Naturalia“-Serie. Es sind kleine unbetretbar erscheinende Bannmeilen, die an die „Disco Soon“-Skulpturengruppe, die Fisch-Portraits oder die Architekturcollagen von Isa Genzken erinnern. An die floralen Rauminstallationen von Petah Coyne aus Samt, Federn und Wachs. Oder auch an die kleinen Formen-Pulks des spanischen Malers Joseba Eskubi. Immer erodiert eine organische Form und verwildert wie von Geisterhand.

Eva Krauses oft übereinander getürmte halb-botanische Gebilde, die aus sich heraus immer wieder neue zu gebären scheinen, entspringen auf dem ersten Blick dem magischen Realismus. Im Aufbau und vom Konzept her sind ihrer Bilder jedoch sehr viel moderner angelegt und lassen nur noch entfernt an den Stil der Phantastik denken.

Die lumineszierende farbliche Glut und Formenfülle in Eva Krauses Bildern zeigt eine Natur als Booster. Einen Verfall in Balance. Gleichsam aber auch einen Abgesang von Ressourcen, eine fast schon resignierte, sich auflösende und taumelnde, imaginierte Natur, die sich ihr Territorium zurückerobern will, dann aber in einer Art Einvernehmlichkeit aufgegeben zu haben scheint. Eine Umwelt, die sich einem Umbruch überlässt, sich dem Anderen, dem Fremden und Gefährlichen überantwortet, ausliefert, sich gleichzeitig aber auch neu einhegen lassen möchte. Eine Natur, die sich das Fremde ganz selbstbewusst einverleibt. Eva Krauses Bilder sind summende Terrarien, übersät von einer zernuschelten Natur, die in tausend Farben steht.

Im Gegensatz zu den Naturdarstellungen erinnern die Gegenstände und Dinge in Eva Krauses großformatigen Bildern an die vermenschlichten Maschinen und Geräte von Konrad Klapheck. Manchmal scheinen ihre Bilder geradezu aus einem vermoderten Geräteschuppen zu entspringen. Umstanden von kleinen Gerüsten, dingfest gemacht und angetan mit allerlei Gestrüpp, wirken ihre eigensinnigen Arrangements und Modelle wie renaturierte und eingenischte Geobodies. Dabei bildet Eva Krause nie ab, sondern erfindet Formen, Gegenwelten und Bildorte, die extrem fiktional sind.

Ihre verbogenen Gebilde und Geräte erinnern dabei an die Skulpturen des diesjährigen Turner-Preisträgers, an die Drängelgitter, Schienen, Leitplanken, an die Plastikklebebänder und die mit verschimmelnden Pflanzen und Kondenswasser gefüllten Plexiglaswürfel des Briten Jesse Darling. Ebenso wie an die durch Discokugeln und Scheinwerfer verspiegelten Räume des Künstlers Marc Camille Chaimowicz. Was die Künstlerin Lisa Gutscher in ihrem Zyklus „The mind ist the Body“ als Mikrokosmos und synthetisiertes Innenleben aus brodelnden zellularen Eingeweiden zeigt, verortet und verhandelt Eva Krause in ein greifbareres, uns näheres Panorama. In eine Welt im Time-Out, in der die Natur disruptiv und die Gegenstände ephem daherkommen. In einer außerweltlichen und nicht zu entschlüsselnden Überfülle zeigt sie Beides: die simultane Anfälligkeit des Gegenständlichen wie des Natürlichen.

Ihre unergründlich wirkenden Farbaureole werden zu malerischen Knotenpunkten. Die Normativität von Natur gerät bei ihr in Schieflage. Natur und Dinglichkeit werden in einer Art Bedeutungsumkehr zu companions. Und so bleiben bei ihr die noch verdrehtesten Hangouts Teil eines größeren natürlichen Ganzen.

Eva Krauses Passion ist das gegenseitige Bild-gewordene Einvernehmen von Natur und Technik. Und das in dieser Binarität eine Ahnung von einer explodierten Zukunft schlummert. Als hätte man nur einmal nicht aufgepasst. Ihre Bilder befinden sich in einem permanenten Blickwechsel, einem raffinierten Komplott und Vexierspiel. Wie in einem bunten dichten ausgesuppten Tümpel. Auf einer ständigen Suche.

Die Ausstellung „Fuchsschwanz und Perenboom“ ruft Überraschen hervor, verwebt Realismus mit dem Surrealen und vermag den Spalt zwischen diesen doch sehr ausgeprägten Stilen zu schließen.

 

 

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